Selbst- und Stationsmanagement

Selbst- und Stationsmanagement

 

 

 

von: Michael Walton

Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber), 2004

ISBN: 9783456933542

Sprache: Deutsch

254 Seiten, Download: 3615 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

geeignet für: Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen PC, MAC, Laptop


 

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Selbst- und Stationsmanagement



4. Lebensabschnittsmodelle (S. 69-70)

4.1 Einführung

Die Interessen, Ambitionen und Hauptbeschäftigungen, die wir im Leben haben, bleiben nicht dieselben, wenn wir älter werden, sondern sie verändern sich. Manchmal bemerken wir, dass sich unsere Ansichten und Einstellungen, die wir gegenüber bestimmten Dingen haben (zum Beispiel gegenüber dem Zwang, super erfolgreich zu sein etc.), verändern, und wir gewöhnen uns ohne erkennbaren Schaden und mit einer gewissen Selbstakzeptanz daran. Andere Dinge machen uns dagegen plötzlich klar, dass wichtige Veränderungen in unserem Leben stattfinden, auf die wir nicht vorbereitet waren, zum Beispiel wenn wir in die mittleren Lebensjahre kommen oder zu den Senioren gezählt werden. Dies schockiert uns so, dass wir unser Leben einer neuen Bewertung unterziehen. Es gibt bestimmte Bedürfnisse, die sich im Laufe der Zeit nicht verändern, zum Beispiel das Bedürfnis nach Sicherheit, nach Überleben, nach Zugehörigkeit und nach der Freiheit, so leben zu können, wie wir wollen. Sehr wahrscheinlich haben wir auch gewisse Bedürfnisse, was die Ebene der bevorzugten sozialen Kontakte anbelangt. Abgesehen von diesen Bedürfnissen beschäftigen und erschweren unterschiedliche Dinge in den verschiedenen Altersphasen unser Leben.

So gibt es beispielsweise Zeiten im Leben, in denen es absolut vorrangig ist, von anderen akzeptiert zu werden, und die alles beherrschende Frage lautet: «Was muss ich tun, um akzeptiert zu werden, um zu einer bestimmten Gruppe zu gehören, um nicht länger anders zu sein, um nicht als Außenseiter zu gelten?» Zu anderen Zeiten geht es in erster Linie darum, seinen Erfolg gut sichtbar zur Schau zu stellen, zu zeigen, dass man «es geschafft» hat. Und zu wieder anderen Zeiten ist die Qualität unserer Beziehungen zu anderen Menschen wichtig; alles dreht sich darum, wer (nicht was) wir sind und wie wir mit uns und mit anderen umgehen. Unsere Prioritäten und unsere Interessen verändern sich mit der Zeit und beeinflussen unsere Einstellung gegenüber unserer Bedeutung, unseren Leistungen und gegenüber dem, was uns im Leben Zufriedenheit verschafft. In verschiedenen Studien wurde diese Verlagerung der Interessen und die veränderte Einschätzung der eigenen Bedeutung zu den verschiedenen Lebensabschnitten in Beziehung gesetzt. Wir alle durchlaufen in unserem Leben mehrere Phasen, in denen sich das, was uns wichtig ist, in Abhängigkeit von unserem Alter offenbar verändert.

Die Studien verweisen auch darauf, dass der Übergang von einem Lebensabschnitt zum nächsten kein einfacher oder leicht zu bewältigender Schritt ist, denn er bedeutet, dass wir Dinge, die uns vertraut sind und von denen wir vielleicht auch in gewisser Weise abhängig geworden sind, aufgeben müssen. Er bedeutet, dass wir uns auf neue Herausforderungen und Schwierigkeiten einlassen müssen, von denen manche uns Angst machen. Sehr wahrscheinlich ist mit dem Übergang von einem Lebensabschnitt zu einem anderen auch die Erkenntnis verbunden, dass wir uns mit der Tatsache abfinden müssen, dass wir im Leben nicht die Position erreicht haben, die wir ursprünglich anvisiert hatten. Möglicherweise sind wir, entgegen unseren Voraussagen, nicht in eine Führungsposition unseres Berufszweiges aufgestiegen, oder wir haben nicht die Auszeichnungen bekommen, die wir uns erhofft hatten. Darüber hinaus kann es sein, dass wir sehr empfindlich auf den Verlust unseres jugendlichen Körpers und Erscheinungsbildes reagieren, und die Gewöhnung an solche Veränderungen ist nicht immer leicht. Solche Gedanken lassen uns klarer erkennen, was wir, im Vergleich zu früheren Jahren, jetzt in unserem Leben als wichtig ansehen. Sie helfen auch, die Belange und Prioritäten Ihrer PatientInnen, über die sie bisher nicht sprechen konnten, besser zu verstehen.

4.2 Verschiedene Lebensabschnittsmodelle

In den letzten zwanzig Jahren verzeichnete das öffentliche Interesse an Problemen, die mit dem Alterungsprozess der Menschen in Zusammenhang stehen, einen Aufschwung. Vielleicht weil man sich mehr für Fragen der Lebensqualität interessierte und weil sich eine gewisse Besorgnis ausbreitete, dass der Überflussgesellschaft Beschränkungen auferlegt werden müssen, um die Welt für zukünftige Generationen nicht unwiederbringlich zu zerstören. TheoretikerInnen und AutorInnen haben darauf hingewiesen, dass es einige klar unterscheidbare Stadien oder Phasen gibt, die wir durchlaufen und dass diese Stadien oft von persönlichen Krisen oder Schwierigkeiten begleitet werden, mit denen wir uns auseinander zu setzen haben. Das Wissen um diese Lebenskrisen und um die in den einzelnen Lebensabschnitten zu erwartenden Hauptschwierigkeiten kann aktuelle Probleme von PatientInnen besser verständlich machen.

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