Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie - Motivation, Emotion und Selbststeuerung

Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie - Motivation, Emotion und Selbststeuerung

 

 

 

von: Julius Kuhl

Hogrefe Verlag Göttingen, 2010

ISBN: 9783840922398

Sprache: Deutsch

586 Seiten, Download: 11648 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

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Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie - Motivation, Emotion und Selbststeuerung



Kapitel 2 Gewohnheiten: Assoziationslernen, Objektwahrnehmung und Verhaltenspriming (S. 69-70)

Inhaltsübersicht

2.1 Intrinsische Motivation: Funktionslust und Ablenkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
2.2 Theoriegeschichte: Pawlow, Hull, Skinner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
2.2.1 Pawlow und das Klassische Konditionieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
2.2.2 Instrumentelles Lernen: Hulls Principles of Behavior . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
2.2.3 Skinners radikaler Behaviorismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
2.3 Verhaltensroutinen: Genau oder impressionistisch? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
2.3.1 Intuitive Verhaltenssteuerung: Flexibel, spontan und manchmal vage . . . . . . . . . . . . . . 83
2.3.1.1 Sensumotorische Parallelverarbeitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
2.3.1.2 Sensumotorische Fusion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
2.3.1.3 Sensumotorisches Priming . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
2.3.1.4 Neurobiologische Grundlagen der intuitiven Verhaltenssteuerung . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
2.3.2 Objekterkennung: Genau, gründlich und manchmal zwanghaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
2.3.2.1 Gestaltgesetze: Woher wissen die Teile, dass sie zum Ganzen gehören? . . . . . . . . . . . 94
2.3.2.2 Feldunabhängigkeit: Objekterkennung verändert die Persönlichkeit . . . . . . . . . . . . . . . 94
2.3.2.3 Aufmerksamkeit ist der „Leim“ der Merkmalsintegration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
2.3.2.4 Wie objektiv ist die Objektwahrnehmung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
2.3.2.5 Ab- und Ankopplung von Objektwahrnehmung und Verhaltenssteuerung . . . . . . . . . . . 98
2.4 Emotion: Objekterkennung und intuitive Verhaltenssteuerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
2.4.1 Intuitives Verhalten und Stimmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
2.4.1.1 Stimmung: Wenn Emotionen fusionieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
2.4.1.2 Stimmungen können hartnäckig sein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
2.4.1.3 Stimmung ist ansteckend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
2.4.1.4 Spiegelneuronen: Grundlagen der Emotionsansteckung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
2.4.2 Objektwahrnehmung und Emotionen: Klassifikationssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
2.4.2.1 Klassifikation von Emotionen im mimischen Ausdruck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
2.4.2.2 Konditionierung primärer Emotionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
2.5 Anwendung: Psychodrama, Erkenntnisphilosophie und Die kluge Else . . . . . . . . . . . . . 112
2.5.1 Psychodrama: Räumliche Darstellung von Beziehungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112
2.5.2 Philosophie: Peripatetiker, Heidegger und Rituale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
2.5.3 Gewohnheitshandeln im Märchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
Verständnisfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
Übungen für zu Hause oder in Kleingruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118

Wir beginnen die Reise durch die verschiedenen Ebenen der Persönlichkeit mit den Gewohnheiten. Es gibt Menschen, die sich sehr stark von Gewohnheiten leiten lassen oder gern das tun, was „man“ tut (sich z. B. an Trends, Moden oder Benimmregeln orientieren). Andere sind eher spontan, improvisieren lieber und lassen sich von ihren Augenblickslaunen leiten. Gewohnheiten sind die einfachs ten Formen der Verhaltenssteuerung. Wer nach einer Gewohnheit handelt, braucht nur den passenden Reiz zu sehen oder zu hören, um die Handlung automatisch auszuführen. Die Tätigkeit braucht nicht einmal Spaß zu machen oder ein Bedürfnis befriedigen: Gewohnheiten führt man auch anreizunabhängig aus (z. B. wenn ein gedankenverlorener Steuerberater am Sonntag auf der Fahrt ins Grüne aus purer Gewohnheit plötzlich vor seinem Büro hält, obwohl es für ihn momentan überhaupt keinen Anreiz hat zu arbeiten). Natürlich können Gewohnheiten sich mit angenehmen oder unangenehmen Tätigkeiten oder Anreizen oder auch mit höheren Zielen und Sinnzusammenhängen verbinden (z. B. bei religiösen Ritualen). Aber solche Verbindungen sind nicht zwingend: Die „reine“ Gewohnheit funktioniert nach dem Schema der Reiz-Reaktions-Kopplung: Sobald ein passender Auslösereiz auftaucht, wird die Reaktion automatisch ausgeführt.

Auf der einfachsten Ebene der Verhaltenssteuerung wird das Verhalten durch intuitive oder automatische Verhaltensroutinen bestimmt. Solche Verhaltensmuster laufen entweder ganz spontan (intuitiv) ab oder sie sind an bewusst wahrgenommenen Objekten orientiert (Goodale & Milner, 1992). Die beiden einfachsten Formen der Verhaltenssteuerung, die intuitive und die bewusst an Objekten orientierte, haben ihre Vor- und Nachteile. Die Orientierung an einzelnen Objekten hat z. B. den Vorteil, dass man genau weiß, welchen Gegenstand man aufsucht oder meidet, und dies auch mit einem festen Verhaltensmuster tut, das sich in der Vergangenheit bewährt hat (und meist auch automatisch abläuft, sobald ein passendes Objekt auftaucht). Weitere Vor- und Nachteile der beiden Steuerungsformen werden später in diesem Kapitel erläutert.

Im historischen Abschnitt dieses Kapitels (vgl. Kap. 2.2) gehen wir näher auf einen Forschungsansatz ein, der Gewohnheiten ganz ins Zentrum seines Menschenbildes gerückt hatte, also alles Verhalten von Menschen (und Tieren) auf erlernte Reiz-Reaktions-Verknüpfungen zurückführen wollte. Dieser „lerntheore - tische“ Ansatz (Behaviorismus) verwendete allerdings nicht den Objektbegriff, sondern den Begriff des Reizes (Stimulus). Der Objektbegriff hat jedoch den Vorteil, dass er eine inzwischen gut untersuchte Wahrnehmungsleistung zusammenfasst. Von „Reizen“ sprach man zu einer Zeit, als die Wahrnehmungspsychologie und die Sinnesphysiologie noch wenig über die Prozesse sagen konnte, die an der Wahrnehmung von Objekten beteiligt sind. Heute weiß man: Die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Identifikation von Objekten wird durch einen besonderen Wahrnehmungsprozess erreicht, der eine stabile Repräsentation des Objekts gewährleistet. Dieser besondere Konstruktionsprozess ermöglicht, dass die Identifikation eines Objekts auch in wechselnden Kontexten gesichert ist, wozu auch die aus der Wahrnehmungspsychologie bekannten Konstanzphänomene beitragen.

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