Modelle von Gesundheit und Krankheit

Modelle von Gesundheit und Krankheit

 

 

 

von: Alexa Franke

Hogrefe Verlag Bern (ehemals Hans Huber), 2010

ISBN: 9783456948300

Sprache: Deutsch

273 Seiten, Download: 9307 KB

 
Format:  PDF, auch als Online-Lesen

geeignet für: Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen PC, MAC, Laptop


 

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Modelle von Gesundheit und Krankheit



"Einleitung (S. 13-14)

Wenn man einen Zustand mit einem Namen versieht, kann man fälschlicherweise den Eindruck gewinnen, etwas verstanden zu haben, so dass man aufhört, nach- zudenken und Fragen zu stellen. (Robert E. Kendell 1978, S. 3) Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in der Tageszeitung etwas über Gesundheit und Krankheit steht. Neben der Au#lärung über häu%ge und seltene Erkran- kungen – erstere, damit eine breite Leserscha& sich angesprochen fühlt, letz- tere, damit Bedürfnisse nach Neugier und Sensation befriedigt werden – und Gesundheitstipps für das richtige Verhalten in Frühling, Sommer, Herbst und Winter spielen auch gesundheitspolitische Fragen eine große Rolle. So ist die «Gesundheitsreform» ein dominantes Politikthema der letzten Jahre geworden.

Aber welche Gesundheit soll eigentlich reformiert werden? Die Debatte kreist nahezu ausschließlich um ökonomische Fragen. Dabei wird nur den wenigsten deutlich, dass die Argumentationen für die eine oder andere Art der Krankenversicherung und Vergütung von Krankenleistungen nicht nur eine ökonomische Seite haben, sondern dass sie auch geprägt sind von sehr unter- schiedlichen Wertvorstellungen zur Verursachung von und Verantwortlichkeit für Krankheit.

Die so genannte Gesundheitsdiskussion in Deutschland ist zu einer Diskussion darüber geworden, wie Gesundheitsleistungen %nanziert werden können und dass die Gesundheitskosten dringend gesenkt werden müssen – aber wer versteht in dieser Diskussion was unter Gesundheit? Die ö(entliche Diskus- sion %ndet statt, ohne dass dies geklärt wäre, ohne dass ein Konsens über den Stellenwert und die Bedeutung von Gesundheit und Krankheit bestünde. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass nahezu unhinterfragt das bio- medizinische Krankheitsmodell theoretischer Ausgangspunkt der Diskussion ist.

In der Fachliteratur erobert es beinahe wie selbstverständlich immer weitere Bereiche der Medizin, Psychologie, Psychiatrie, P)ege, Sozialpädagogik, Rehabi- litation und Sonder- und Heilpädagogik. Die als Revolutionen gepriesenen medi- zinischen Errungenscha&en der letzten Jahrzehnte wie Neuroimmunologie und Neuropsychologie, Gentechnologie und Verhaltensgenetik unterstützen das bio- medizinische Modell, dem zufolge in der Person liegende Defekte und Dysfunk- tionen die Krankheit bedingen. Soziale und gesellscha&liche Faktoren werden konsequent ausgeblendet, obwohl sie zuverlässigen weltweiten epidemiologischen Untersuchungen zufolge in stärkerem Maße für Morbidität und Mortalität in einer Gesellscha< verantwortlich sind, und die Ergebnisse der Gesundheitsde- batten vergangener Jahrzehnte werden als soziale Spinnereien belächelt. In den 1970/80er-Jahren war die Gesundheitsbewegung in Deutschland eine breite poli- tische Bewegung, in der die gesundheitliche Versorgung und Gesundheitspolitik als gesellscha"

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